Über die positive Wirkung des Musizierens
Eine wahre Geschichte
Musik & Gesundheit
Januar 2020 · Von Valeria Gleim
Dvořák – Slawischer Tanz
Jugendsymphonieorchester der Regio Basiliensis
Aufnahme bei einem Konzert der Albert-Schweitzer-Gesellschaft in Frankreich.
Als ich zum Studieren nach Deutschland kam, wurde ich bei einer Familie untergebracht, in der vier von fünf Kindern Geige spielten.
Ein Nachbar namens Roland spielte Horn. Das musikalische Niveau der Kinder war ziemlich hoch, deshalb kam uns sein Spiel eher amateurhaft und unbeholfen vor. Wir machten uns oft untereinander über die Geräusche hinter der Wand lustig.
Nach einiger Zeit zog ich an einen anderen Ort, besuchte meine Freunde aber weiterhin regelmäßig. Eines Tages hörte ich bei ihnen plötzlich schreckliche, röhrende Töne. Ich erschrak ein wenig und fragte: „Was ist das?“
Wie sich herausstellte, waren es wieder die Klänge des Horns. Der Nachbar versuchte, nach einem Schlaganfall erneut auf seinem Instrument zu spielen. Es ist erschütternd, wenn man einen Menschen gesund gekannt hat und dann plötzlich die Folgen einer Erkrankung sieht, die sein gesamtes Leben innerhalb einer einzigen Sekunde grundlegend verändert hat …
Etwa ein halbes Jahr später begegnete ich Roland auf der Straße, und er erzählte mir seine Geschichte. Die Ärzte waren offen überrascht darüber, dass es ihm gelungen war, sich aus diesem Zustand herauszukämpfen. Denn in einem solch schweren Fall erholen sich die Betroffenen normalerweise überhaupt nicht. Die Prognose lautete: entweder jahrelange Bettlägerigkeit oder ein früher Tod – je nachdem, wie viel Glück man hat.
Innerhalb von nur vier bis sechs Monaten hatte sich sein Körper zu 80 Prozent erholt! Dann sagte er etwas, das mich sehr nachdenklich machte:
„Als ich im Krankenhaus zu mir kam, war das der schrecklichste Moment meines Lebens. Ich wusste, dass mein Leben nie wieder so sein würde wie zuvor …
In meinem Kopf erklang immer wieder dieselbe Melodie. Ich stellte mir ganz genau vor, wie ich sie auf dem Horn spielte. Dieser Gedanke wurde zu einer fixen Idee und schließlich zu meinem Ziel: trotz allem ein Ergebnis zu erreichen.
Als ich wieder nach Hause kam, begann ich, meine Idee in die Tat umzusetzen. Meine Angehörigen halfen mir dabei, das Instrument zu halten. Niemand glaubte daran, dass es funktionieren würde, aber ich versuchte es immer wieder. Die Töne waren schrecklich. Ich weinte, aber ich gab nicht auf. Jeden Tag machte ich kleine Schritte nach vorn – und irgendwann gelang es mir.
Nach einiger Zeit konnte ich das Instrument wieder selbst halten. Ich lernte, tief einzuatmen und meine Lippen zu kontrollieren. Und schließlich erklang der erste wirklich brauchbare Ton!
Jeden Abend vor dem Einschlafen hörte ich die Musik dieses Komponisten und genoss sie. Sie erklang Tag und Nacht in meinem Kopf.
Das war nicht einfach nur Musik – es war die Stimme des Allmächtigen, die mich auf meinem Weg zur Genesung führte.
Die Musik hat mich gerettet. Das sage ich auch den Ärzten, aber sie glauben mir nicht …“
Und Sie? Glauben Sie, dass Musik heilen kann?
