Eine Geschichte aus meiner Kindheit – wie alles begann

Persönliches

Januar 2020 · Von Valeria Gleim

Valeria Gleim als Kind mit Violine, ihre Schwester am Klavier

Klavierklänge gehörten ganz selbstverständlich zu meiner Kindheit.

Meistens waren es schöne, sangliche Töne. Manchmal jedoch ließen schiefe und falsche Akkorde mein Auge zucken – so spielte meine ältere Schwester.

Als ich sieben Jahre alt wurde, beschlossen meine Eltern, mich an einer Musikschule anzumelden. Die Frage, welches Instrument ich spielen sollte, stellte sich gar nicht erst. Der Weg war bereits vorgezeichnet, und ein Klavier stand ebenfalls zur Verfügung. Andere Möglichkeiten gab es nicht.

Eines Tages sah ich gemeinsam mit meiner Großmutter ein klassisches Konzert, bei dem ein Geiger mit einem Orchester spielte. Der schöne, warme und singende Klang der Violine berührte mich tief. Das Orchester begleitete den Solisten so melodisch, dass in mir plötzlich ein großer Wunsch entstand: Ich wollte Geigerin werden und ebenfalls auf der Bühne spielen.

Ich erzählte meinen Eltern davon. Ihre Reaktion bestand aus Panik und völligem Unverständnis.

„Warum ausgerechnet Geige? Wie kommst du denn auf diese Idee? Du wirst ein Doppelkinn bekommen und später krumm dastehen wie eine alte Oma!“, versuchte meine Mutter, es mir auszureden.

Ich fügte mich gehorsam und begann mit der Vorbereitungsklasse für Klavier.

Damals wollten sehr viele Kinder eine Musikschule besuchen. Für die Aufnahme musste man deshalb eine Aufnahmeprüfung bestehen und zuvor eine Vorbereitungsklasse absolvieren.

Bis zum Ende des Vorbereitungsjahres war es nicht mehr lange. Die Lehrkräfte deuteten meinen Eltern bereits an, dass ich eine vielversprechende Schülerin sei. Schon bald sollte ich in die Klasse der besten Klavierlehrerin aufgenommen werden. Doch dann kam alles anders.

Eines Tages wartete ich nach dem Unterricht im Foyer auf meinen Vater. Zufällig wurde ich Zeugin eines Gesprächs zwischen einer Geigenlehrerin und ihrem Schüler. Sie erklärte ihm auf eine so freundliche Art, wie er üben sollte, und beschrieb so überzeugend, welche Ziele er erreichen könnte, dass ich fasziniert stehen blieb und ihr mit offenem Mund zuhörte. Sie bemerkte mich und begann, mit mir zu sprechen.

Ausgerechnet an diesem Tag musste mein Vater etwas Dringendes erledigen, deshalb holte mich meine Großmutter ab. Nachdem sie sich meinen aufgeregten Bericht über das Gespräch mit der Geigenlehrerin angehört hatte, beschloss sie, mir zu helfen. Gemeinsam gingen wir ins Sekretariat und meldeten mich kurzerhand von der Klavier- in die Geigenklasse um.

Meine Eltern waren schockiert, leisteten aber keinen Widerstand.

„Na gut, dann eben Geige …“, sagte mein Vater ergeben.

Wenn ich damals gewusst hätte, wohin mich diese Entscheidung führen würde! Wie viele Konzerte, Wettbewerbe und Festivals noch vor mir lagen …

Danke, du Geiger aus meiner Kindheit!

Und Sie? Sind Sie Ihrem Traum gefolgt?