Warum sind Stradivari-Geigen so teuer?
Instrumentenkunde
August 2020 · Von Valeria Gleim

Violine „Golden Bell“, 1668 – ein Instrument von Antonio Stradivari. Museo del Violino, Cremona.
Historische Stradivari-Instrumente tragen häufig einen eigenen Namen und verfügen über eine dokumentierte Provenienz. Diese dokumentiert die Herkunft und die Geschichte des Instruments sowie seine Besitzer über Generationen hinweg – gewissermaßen die Biografie eines Instruments, das seit rund 250 bis 300 Jahren existiert.
Der einzigartige Aufbau der Violine hat ihr eine außergewöhnliche Langlebigkeit verliehen.
Doch worin besteht dieser besondere Aufbau?
Eine Violine besteht aus einer Decke und einem Boden, die durch seitliche Holzzargen miteinander verbunden sind. Am Korpus befindet sich der Hals mit dem Griffbrett, das meistens aus Ebenholz gefertigt wird. Der Hals verbindet den Korpus mit dem Wirbelkasten und der Schnecke. Darüber werden die Saiten gespannt; außerdem gehören der Saitenhalter und der Steg zur Konstruktion des Instruments.
Doch worin liegt das Geheimnis der Langlebigkeit einer Violine?
Es liegt in der richtigen Verteilung des Drucks, den die Spannung der Saiten auf Decke und Boden ausübt. Im Inneren der Violine befindet sich der Stimmstock, der auch als „Seele der Violine“ bezeichnet wird. Er ist eine kleine hölzerne Säule, die Decke und Boden miteinander verbindet, die Konstruktion stabilisiert und die Schwingungen im Instrument überträgt.
Diese besondere Bauweise ist einer der Gründe dafür, dass die Werke herausragender Geigenbauer über mehrere Jahrhunderte hinweg bis heute erhalten geblieben sind. Damals gab es viele Meister, die Musikinstrumente bauten. Auch heute existieren ausgezeichnete Geigenbauer – dennoch sind historische Violinen in ihrer Art einzigartig.
Alte und neue Instrumente klingen unterschiedlich.
Alte Instrumente sind gewissermaßen „erfahrener“ – sie haben eine Seele. An solche Instrumente passen sich die Musiker meistens selbst an.
Neue Instrumente dagegen besitzen Kraft, Energie und einen brillanten Klang. Sie entwickeln sich gemeinsam mit ihrem Spieler und passen sich mit der Zeit an ihn an.
Doch kehren wir zu Stradivari zurück!
Antonio Stradivari lernte in der Tradition der berühmten Geigenbauerfamilie Amati. Daher ist es nicht verwunderlich, dass er schon zu Lebzeiten ein bekannter und gefragter Meister war. Er fertigte Instrumente von höchster Qualität – und übrigens nicht nur Violinen!
Auf seinen Instrumenten spielten berühmte Musiker, wodurch ihr Wert zusätzlich stieg. Niccolò Paganini besaß beispielsweise Instrumente von Amati, Guadagnini und Stradivari. Natürlich trug auch das zur Berühmtheit der jeweiligen Geigenbauer bei.
Wegen ihres hohen Preises befanden sich Stradivari-Geigen häufig im Besitz wohlhabender Menschen. Diese stellten die Instrumente berühmten oder besonders talentierten Musikern zur Verfügung. Auf einem solchen Instrument spielen zu dürfen, konnte für einen Musiker zu einer großen Chance auf dem Weg zu internationaler Bekanntheit werden.
Diese Form des Mäzenatentums existiert bis heute. Und das ist gut so: Eine wertvolle Violine sollte nicht nur in einer Sammlung liegen. Sie muss gespielt werden, damit ihr Klang lebendig bleibt und das Instrument möglichst lange erhalten werden kann.
Stradivari-Geigen sind deshalb nicht nur musikalisch und kulturell wertvoll. Sie können einem Musiker Türen öffnen und gelten zugleich als zuverlässige Wertanlage.
Der Wert der Instrumente von Stradivari steigt von Jahr zu Jahr – wie bei anderen seltenen Sammlerstücken nimmt er mit dem Alter zu.
Nach heutiger Schätzung fertigte Antonio Stradivari im Laufe seines Lebens mehr als 1.100 Instrumente. Etwa 650 davon sind bis heute erhalten geblieben, darunter ungefähr 450 Violinen.
Was glauben Sie: Wie viel kostet heute eine echte Stradivari?
