Musiktherapie für Selbstbewusstsein

Musik & Erinnerungen

Februar 2020 · Von Valeria Gleim

Aufnahme in Sirmione – Vivaldi, „Frühling“.

Wie klassische Musik auf einen Menschen wirken kann, erzählte mir vor Kurzem einer meiner Schüler.

Er ist ein Mann im reiferen Alter, ein anerkannter Orthopäde, Dozent an der medizinischen Fakultät der Universität Genf, mehrsprachig und außerdem ein großer Liebhaber der Musik.

Auf meine Bitte hin hörte er sich einen Ausschnitt aus einem Musikstück an und bearbeitete eine Aufgabe meines Onlinekurses. Nach einer Weile nahm er die Kopfhörer ab, atmete tief durch und sagte:

„Vielen Dank, dass Sie mich an meine Kindheit erinnert haben. Als ich ungefähr zwölf Jahre alt war, fiel ich einmal bei einer Prüfung in der Schule durch und kam völlig niedergeschlagen nach Hause.

Anstatt mit mir zu schimpfen, ging mein Vater in das Musikgeschäft um die Ecke und brachte mir eine Schallplatte mit genau der Musik mit, die Sie mich heute hören ließen. Noch am selben Tag hörte ich mir das Werk mehrmals hintereinander von Anfang bis Ende an. Danach wurde mir leicht und hell ums Herz. Kurze Zeit später bestand ich die Prüfung ohne größere Schwierigkeiten.

Mein Vater glaubte an mich und wusste, dass ich es schaffen würde. Deshalb machte er mir keine Vorwürfe, sondern schenkte mir seine Unterstützung. Mein ganzes Leben lang hörte ich diese Musik immer dann, wenn es mir seelisch schlecht ging – und sie half mir jedes Mal. Dieses Geschenk wurde für mich zu einem Symbol des Vertrauens in meine eigenen Fähigkeiten.

Ich kenne dieses Werk sehr gut. Doch heute haben Sie mir diese Musik auf eine ganz neue Weise eröffnet. Vielen Dank.

Wissen Sie, ich habe sehr viel über diesen Komponisten und sein Schaffen gelesen. Einige Tatsachen aus seiner Biografie haben mich besonders beeindruckt.

Während seiner Tätigkeit an einer Kirche, die zu einem Frauenkloster gehörte, unterrichtete er intensiv das Spielen verschiedener Musikinstrumente und gründete ein ganzes Orchester aus den jungen Frauen, die dort aufwuchsen.

Einer seiner besten Schülerinnen übertrug er die Solopartien. Mit der Zeit wurde sie sehr bekannt. Da die Zöglinge des Klosters keine Familiennamen trugen, nannten die Bewunderer ihres Spiels sie schließlich „Anna Maria dal Violin“.“

Haben Sie vielleicht erraten, um welchen Komponisten und welches Werk es sich handelt?