Ein berühmter Dirigent fiel als Kind durch die Aufnahmeprüfung an einer Musikschule. Fehlendes Talent oder ein Fehler im System?
Musikpädagogik · Geschichten
23. August 2026 · Von Valeria Gleim

Ein Musiker spielte eines Tages mit einem Jungen aus der Nachbarschaft und bemerkte dabei dessen außergewöhnliche musikalische Fähigkeiten.
Er empfahl der Mutter dringend, den Jungen an einer Musikschule vorzustellen.
Der Junge freute sich sehr auf diese Begegnung mit der Welt der Musik. Er strengte sich bei der Aufnahmeprüfung an – doch er wurde nicht aufgenommen.
Seine Mutter suchte enttäuscht seinen Namen auf der Liste der aufgenommenen Kinder, fand ihn jedoch nicht. Schließlich fragte sie ein Mitglied der Prüfungskommission, ob möglicherweise ein Fehler vorliege.
Die Antwort war eindeutig:
Der Junge habe sich während der Prüfung nicht ausreichend gezeigt, deshalb habe man entschieden, ihn nicht an der Musikschule aufzunehmen.
Die Mutter war tief enttäuscht.
Einige Zeit später fragte der Nachbar nach dem Ergebnis und war äußerst überrascht, dass der Junge nicht aufgenommen worden war. Er war überzeugt davon, dass dieses Kind unbedingt Musik machen sollte.
Er setzte sich dafür ein, dass der Junge eine zweite Chance bekam.
Schließlich erklärte sich die Musikschule bereit, ihn noch einmal anzuhören.
So begann die musikalische Laufbahn eines jungen Menschen, der später zu einem der weltweit bekanntesten Dirigenten werden sollte.
Eine solche Entscheidung hätte die Musikwelt möglicherweise um einen international bekannten Dirigenten, künstlerischen Leiter und Generaldirektor des Mariinsky-Theaters sowie einen Chefdirigenten der Münchner Philharmoniker bringen können.
Dieser Junge war Valery Gergiev.
Solche Geschichten gibt es viele.
Und leider wissen wir nicht, was aus all den Kindern geworden wäre, die nicht an einer Musikschule aufgenommen wurden, obwohl sie den großen Wunsch hatten, Musik zu machen.
Wie vielen Kindern wurde gesagt:
„Du hast keine musikalischen Fähigkeiten.“ „Du hast kein Gehör.“ „Du hast kein Rhythmusgefühl.“
Und wie viele haben diesen Aussagen ihr ganzes Leben lang geglaubt?
Eines kann man mit Sicherheit sagen:
Es ist niemals zu spät, mit Musik zu beginnen.
Wenn ein musikalischer Wunsch geblieben ist, sollte man ihm eine Chance geben.
Musik ist nicht ausschließlich für diejenigen da, deren Talent bereits im Kindesalter offensichtlich war. Musikalische Fähigkeiten können entdeckt, gefördert und entwickelt werden.
Welche Erfahrungen haben Sie selbst mit Musik oder Musikschule gemacht?
